Kreuzberg, in einem Café, irgendwo zwischen Skalitzer und Waldemarstraße. Es ist Donnerstagabend, kurz nach 21 Uhr. Das Lokal wirkt gut gefüllt, die Atmosphäre lebendig. Claire liegt auf einem Tisch und kassiert Blicke. Sie ist wunderbar in Form, bekam in der letzten halben Stunde sogar Komplimente, von zwei Typen an der Theke und der Kellnerin. „Claire hat eben Stil! Das wirkt sexy,“ sagt Sarah Settgast, lächelt und nimmt sie vorsichtig nach oben, dreht und wendet das Gestell in ihren Händen: „Claire ist die erste Brille, die ich entworfen habe. Ohne zu wissen, ob sie jemals herausgebracht wird.“
Das ist erst ein knappes Jahr her. Mittlerweile kam Claire auf dem Markt und mit ihr noch vier andere Modelle, die Sarah gestaltet hat. Modelle mit markanten Namen wie zum Beispiel Brenda oder Curt: „Unsere Brillen sind so individuell wie ihre Träger.“ Unsere Brillen?! Sarah nickt: „Die Brillen von Framers, einer kleinen, aber feinen Manufaktur in Kreuzberg.“ Hinter Framers stehen Geschäftsführer Matthias Busche – und Sarah. „Ich kann’s noch immer nicht glauben, dass ich mittlerweile meine eigenen Brillen verkaufe!“ grinst die 25-jährige. Bis Juni hat Sarah fremde Marken an den Mann bzw. die Frau gebracht – während ihrer Ausbildung zur Augenoptikerin. Die hat sie übrigens in Kyritz an der Knatter begonnen, einem 9.000 Seelen Ort im Nordwesten von Brandenburg: „Das hat sich eigentlich durch Zufall ergeben, über einen Bekannten.“ Allerdings mangelte es an Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung: „Deswegen wollte ich raus, am besten nach Berlin, der Stadt meiner Träume.“ Sarah suchte sich einen anderen Ausbildungsbetrieb und zog vor etwa drei Jahren um. Über ein paar Umwege landete sie schließlich in Kreuzberg – und ist glücklich. „Ich liebe diesen Bezirk!“ meint die junge Frau und lacht: „Hier gibt es wahnsinnig viel zu erleben, alles ist voller Eindrücke!“
Sarah lernte in der Brillenwerkstatt, Oranienstraße 32. Sie verkaufte mit Vorliebe extravagante Modelle: „Vor allem die Brillen von Framers faszinierten mich. Sie sind alle irre kultig. Außerdem fand ich Matthias Busche ziemlich nett!“ Der besuchte den Laden regelmäßig, um neue Kollektionen vorzustellen. „Wir kamen ins Gespräch und ich gab ihm das Feedback der Kunden weiter, mit ein paar eigenen Ideen!“ erklärt Sarah: „Ich hatte einfach Spaß daran, meine Gedanken aufs Papier zu bringen und habe ein, zwei Brillen gezeichnet, die mir gefallen würden.“ Matthias Busche war begeistert und lud sie in sein Büro ein. Das war im Frühsommer dieses Jahres. „Er bot mir einen Job in der Manufaktur an – nach Abschluss meiner Ausbildung. Ich habe mich total gefreut und zugestimmt.“ Sarah war schon immer kreativ, sie zeichnet und fotografiert schon seit vielen Jahren. „Meine Ausbildung zur Augenoptikerin gibt mir den nötigen Background, um Brillen zu entwerfen: Ich kenne die nötigen Proportionen, weiß, was unsere Kunden brauchen, was sie wollen.“ Ihre Entwürfe sind alle ein bisschen Vintage, mit formalen Zitaten an die Mode vergangener Jahrzehnte – Sarah liebt die 1960er, 70er Jahre. Das merkt man ihren Brillen an – und das macht sie zu etwas besonderem. „Unsere Brillen sind nicht für den Massenmarkt gedacht!“ erklärt die Designerin: „Wir beliefern keine Ketten, nur kleine Optiker.“ Framers sucht und findet die nötigen Kontakte auf Fachmessen und über das Internet: „Wir setzen auf Qualität: Die Brillen werden in Deutschland hergestellt – von Hand!“ Etwa vier Monate vergehen, bis aus der ersten Skizze eine fertige Brille geworden ist. Im Augenblick arbeitet Sarah an weiteren Modellen: „Wir experimentieren auch mit Titan – das ist allerdings schwer in Form zu bringen.“ Trotzdem ist Sarah optimistisch: Claire wird in ein paar Wochen noch mehr Gesellschaft bekommen. Und mit Sicherheit weiterhin jede Menge Komplimente. Mehr Infos unter www.framers.de (Bild / Text: J. Nord)



















