Bick Nr. 4: „BAERTIE, Berliner Krawatten ohne Verfallsdatum…“

By Jan-Erik

Jens Holst lächelt und streift mit den Fingerspitzen vorsichtig über seine breite, bunte Krawatte: „Die hier mag ich besonders gerne!“ Sie ist grün-orange gestreift und trägt einen knubbeligen Kopf mit dicken Lippen. Das Motiv wurde vom Berliner Künstler Thierry Noir entworfen, der unter anderem für seine großflächigen Werke auf der Mauer an der East Side Gallery bekannt ist. „Ich lernte Thierry vor ein paar Jahren kennen. Als das Projekt mit den Krawatten begann, fragte ich ihn einfach, ob er nicht Lust hätte, ein Motiv dafür zu gestalten.“ Der Künstler war begeistert und machte mit.

Seitdem gibt es Baertie Krawatten mit Thierry Köpfen. Oder mit anderen Motiven junger Künstler und Designer. Jede Krawatte ist ein Unikat. „Das ist unser Prinzip!“ meint Jens: „Wir wählen aus alten und abgelegten Krawatten die stylishsten und kultigsten aus. Die werden anschließend sortiert, gereinigt und in Handarbeit mit Flockdruck zu einer echten Baertie veredelt.“ Hinter der Idee stehen der 42-jährige und sein Partner Frank Pfeiffer. Für die beiden Kreativen sind Krawatten nicht nur „ein Attribut des offiziellen Bekleidungszeremoniells beim Mann“, sondern auch ein modernes Unisex-Accessoire. „Frau kann ihre Baertie als Halstuch tragen, als Haarband, als Gürtel, an der Handtasche oder natürlich klassisch zum Männerfang auf nackter Haut“, grinst Jens.

Die Idee zum Projekt entstand vor etwa zwei Jahren: „Wir waren beide keine großen Krawattenträger. Die normalen Teile schienen uns viel zu unpersönlich, zu konventionell. Da sie aber in bestimmten Bereichen der Berufswelt immer noch ein Muss sind, griffen wir so lange zu langweiliger Ware, bis sich langsam ein Gedanke formte: Was wäre, wenn man alte Krawatten mit etwas neuem verbinden würde und sie dadurch persönlicher gestalten könnte?!“ Dieser Einfall ließ die beiden nicht mehr los, und in der folgenden Zeit wuchs ein ganzes Konzept, Baertie wurde geboren: „Wir sehen in Baertie (sprich: Bär-Tie) die Zukunft der Krawatte. Der Bär ist das Wappentier von Berlin – ihn haben wir mit dem englischen Produktnamen für Krawatten (Tie) kombiniert.“

Customizing ist Trend bei dem jungen Label – originelle Einzelstücke anstatt farbloser Massenware. „Am liebsten nehmen wir Krawatten aus den 50er, 80er und 90er Jahren. Die kaufen wir Kiloweise von Verwertern“, erklärt Jens. Die Originale werden mit Hilfe einer talentierten Druckerin individuell durch Flock-Prints veredelt. Als Muster stehen Anker, Hibiscusblüte, Totenkopf und natürlich Motive aus Berlin wie der Fernsehturm am Alex, die Goldelse oder besagter Bär zur Wahl. So entstehen aus der Kombination von farbigen Retromustern mit unifarbenen Aufdrucken echte, ultrastylische Unikate.

„Natürlich werden wir noch mehr Motive anbieten!“ meint der 42-jährige. Im Augenblick arbeiten die beiden mit Herz und Seele daran, Baertie bekannt zu machen: „Aller Anfang ist schwer und wir lernen jeden Tag dazu. Fehler passieren nun mal.“ Zum Beispiel, als die Verpackung am Anfang nicht richtig funktionieren wollte: „Die Folie war zu dünn und ging schnell kaputt. Das sah dann natürlich furchtbar aus, obwohl die Krawatten keinen Schaden nahmen. Mittlerweile haben Jens und Frank die Sache im Griff. „Baertie kommt jetzt wie ein Räucherlachs verpackt zum Kunden,“ schmunzeln die beiden: „Schön präsentiert und im ein Vakuum fixiert. 23 Gramm Krawatte, ohne Verfallsdatum!“ Die zwei Kreativen machen Baertie nur nebenher, arbeiten eigentlich in anderen Branchen: „Noch können wir nicht davon leben. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht gibt’s Baertie ja irgendwann auch mal in anderen Ländern…“

Die Idee hätte es auf jeden Fall verdient. Diese Krawatten kann man wirklich tragen, überall und immer. Mehr Informationen sowie ein Onlineshop gibt es im Internet: www.baertie.com (Bild & Text: J. Nord).

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