Es duftet nach frischem Rosmarin. Auf einem Holztisch türmen sich Schmandbrötchen und Kartoffelpuffer. Vier junge Italiener schneiden kiloweise Tomaten und eine schlanke Französin rettet ihr dunkelbraunes Baguette aus dem Ofen. Spanische, italienische und englische Wortfetzen mischen sich mit dem Duft der Gerichte. Zwischen dem wilden Sprachgewirr und exotischen Gewürzen verschwinden alle Landesgrenzen. In ausgelassener Stimmung erzählen sich Hobbyköche ihre Abenteuer, schmieden Reisepläne, schließen neue Freundschaften und tauschen Rezepte aus.

Szenen wie diese spielen sich in den Gästeküchen der MEININGER Hostels tagtäglich ab. „Hier pulsiert das Leben! Die Küchen sind Herzstück unserer Häuser, Rezeptebörse und kultureller Schmelztiegel zugleich, immer mit einer besonderen Atmosphäre. Das alles brachte uns auf die Idee, ein Kochbuch mit den Rezepten unserer Gäste zu machen“, erzählt Nizar Rokbani, einer der drei Gesellschafter der MEININGER Gruppe. Nizar steht gerade selbst in der Küche des neuen Hostels am Senefelderplatz und schneidet Basilikumblätter klein. Zusammen mit dem Auszubildenden Pierre Heene und Marketingassistentin Bea Nagy bereitet der 37-jährige einen toskanischen Brotsalat zu. Das Rezept dazu stammt von einem jungen, italienischen Pärchen, Backpackern, die im vergangenen Herbst auf der Reise durch Europa in einem MEININGER Hostel Station gemacht hatten. „Mittlerweile hab’ ich fast alle Gerichte aus dem Kochbuch durch!“ schmunzelt Nizar: „Obwohl ich eigentlich gar nicht kochen kann. Aber die Rezepte sind echt einfach und total lecker.“ Sie stammen allesamt von Gästen aus den verschiedensten Ländern. „Nachdem die Entscheidung zum Kochbuch gefallen war, fragten wir die Leute einfach, ob wir ihnen in der Küche mal ein bisschen über die Schulter gucken dürfen. Das lief alles total spontan, die meisten waren sofort begeistert von der Idee und machten mit,“ erklärt der Berliner. So entstanden Rezepte für die unterschiedlichsten Gerichte – von Wasabibouletten aus Korea, panierten Hühnerbrüstchen aus der Türkei bis hin zu norwegischen Müslikeksen, Parmesancrackern und vielen weiteren Leckereien reicht die Spanne. Alle Gerichte sind so verschieden wie ihre Köche und alle haben trotzdem einiges gemeinsam: Sie reichen für mindestens zwei Personen, ihre Zubereitung dauert im Schnitt nicht länger als 15 Minuten und kostet weniger als 5 Euro.

Nizar und Pierre sind nun dabei, alle Zutaten in einer Schüssel zu vermischen. Es duftet schon verführerisch nach Oliven, Tomaten und Basilikum. Nicht mehr lange, und das italienische Gericht wird fertig sein. „Im März haben wir das Kochbuch dann auf der ITB präsentiert – mit einer tollen Resonanz!“ sagt Nizar. Das Buch „Hostelküche – Die Rezepte unserer Gäste“ ist in allen MEININGER Häusern sowie online unter www.meininger-hostels.com/hostelkueche erhältlich. Es kostet 5,90 Euro. Alle Rezepte sind auf Deutsch und Englisch verfasst. Von jedem verkauften Exemplar gehen 50 Cent an den Sonnenhof e.V.

Während Bea Nagy ein paar Baguettescheiben in der Pfanne röstet, stehen Nizar und Pierre bereit, um ihren Salat auf den Tellern zu verteilen. Der 37-jährige Mitinhaber blickt sich in der Küche um und lächelt. Er erinnert sich gerade an die Anfangszeit und das erste MEININGER Hostel zurück: „Da haben wir auch immer zusammen gekocht, mit der Familie und Freunden.“ Alle haben damals angepackt, haben mitgearbeitet, um den Traum vom eigenen Hostel wahr zu machen. „Das war eine harte Zeit. Aber wir haben fest an die Idee geglaubt.“ Früher stand der Begriff „Hostel“ für chaotische Herbergen, in denen ausschließlich Schulklassen, Partyvolk und Weltenbummler hausten. Nizar: „Ich komme aus Moabit und habe nach dem Abitur in einigen Hotels gejobbt. So konnte ich eine Menge Erfahrung sammeln.” Der Berliner kam zu dem Schluss: Auf den ganzen Schnickschnack eines Sternehotels kann man gut verzichten. Vor allem als Reisender mit kleinem Budget. „Wichtig ist folgendes: Eine zentrale Lage mit idealer Anbindung ans öffentliche Verkehrsnetz, ein modernes, sauberes Haus mit einer hohen Zimmer- und Bettenflexibilität sowie natürlich ein günstiger Preis.“

Nizar feilte eine ganze Weile am Konzept herum und überzeugte dann seinen alten Kumpel Oskar Kan, mit ihm das Projekt zu verwirklichen. Die beiden liehen sich Geld und pachteten sowie renovierten das erste Haus in der Meininger Straße. Die ist übrigens auch zum Namensgeber für das gesamte Unternehmen geworden: „Wir sind bewusst bei MEININGER geblieben. Es ist ein guter Name. Gerade im Ausland stehen deutsche Hoteliers für herausragende Qualität und besonderen Service!“ Nizar und Oskar lagen mit ihrer Entscheidung richtig, später kam noch der dritte Gesellschafter, Sascha Gechter, ins Team. Mittlerweile gibt es ihre City Hostels & Hotels viermal in Berlin, in Köln, München, London und Wien. Weitere Standorte sind in Planung, immer zentral gelegen und nach dem gleichen sympathischen Prinzip. „Bei uns treffen sich alle Gästetypen unter einem Dach: Reisegruppen, Familien, Individualreisende und sogar Geschäftsleute, denen einfach die lockere, kreative Atmosphäre gefällt.“ In 2009 feiert man 10-jähriges Jubiläum. „Aber genug von MEININGER, das Essen wird kalt!“ grinst Nizar und balanciert gleich vier Teller auf einmal zum Tisch. Der toskanische Brotsalat ist mittlerweile fertig und sieht total lecker aus. „Guten Appetit!“ meint der Berliner. Genau den werdet Ihr haben, liebe Leser, wenn Ihr das Rezept mal ausprobiert:

REZEPT: TOSKANISCHER BROTSALAT
Für 4 Personen braucht man 50g grüne Oliven, 50g schwarze Oliven, 6 Esslöffel Balsamico Essig, 4 EL Olivenöl, 1 Baguette, 2 Tomaten, 1 Bund Basilikum, 1 Prise Salz, 1 Prise Pfeffer und geriebener Parmesan. Und so geht’s: Schneidet zuerst das Brot in Scheiben und röstet sie mit Olivenöl in einer Pfanne beidseitig an. Schneidet dann die Basilikumblätter, die Tomaten sowie die Oliven klein und gebt alle Zutaten in eine Schüssel. Das Ganze ordentlich durchmischen und mit den Brotscheiben vermengen. Fertig! Besonders gut schmeckt es übrigens, wenn Ihr das Gericht mit einer Spur Parmesan würzt… einfach und lecker! (Text & Bilder: J. Nord)
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