bick Nr. 9: „Ein Mann für den Mittelstand“

By Jan-Erik

Ein Restaurant im Regierungsviertel: Es ist Donnerstag und gerade Mittagspause. Kuni Both sitzt an einem Tisch mit Blick auf das Paul-Löbe-Haus. Er nimmt einen Schluck Kaffee und schaut nach der Uhr: „Schade. Wieder keine Zeit zum Essen.“ Heute ist sein Terminkalender besonders voll: Am Morgen stand ein Treffen im Reichstag auf dem Plan und in wenigen Minuten folgen Gespräche im Wirtschaftsministerium. Abends dann weitere Verpflichtungen. Nun bringt ihn Kaffee durch den Tag. Wieder mal. Kaffee und sein Sinn für Verantwortung. Kuni Both ist der Präsident des Europaverbandes der Selbständigen in Deutschland und ein Mann der Taten. Das war schon immer so.

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Damals in Saarlouis zum Beispiel, seiner Heimat. Anfang der 1970er Jahre sollte die dortige Altstadt abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. Both hatte sich gerade als Finanz- sowie Immobilienkaufmann selbständig gemacht und wollte dies nicht mit ansehen: „Da herrschte Aktionismus im Betonismus. Natürlich waren viele Häuser marode – aber aus historischer Sicht unglaublich wertvoll und somit erhaltenswert.“ Also engagierte sich der Saarländer in einem Förderverein. Mit großem Erfolg: Die Gebäude blieben stehen und wurden in den folgenden Jahren saniert. Außerdem fand Both seine Bestimmung. „Wenn sich etwas ändern soll, muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Mein Antrieb sind meine Vorstellungen.“ Vorstellungen zu allen möglichen Themen. Deswegen engagierte sich der Saarländer in den folgenden Jahren bei zahlreichen Projekten und kam so schließlich zum Europaverband der Selbständigen sowie dem Bundesverband Deutschland. Seine Ideale und die Tatkraft blieben dort nicht unbemerkt. 2001 wählte man Both zum Vizepräsidenten und drei Jahre später zum Präsidenten. Das ist er bis heute geblieben.

Was genau ist der BVD? „Einer der ältesten branchenübergreifenden Verbände für Selbständige in Deutschland – mit mehr als 10.000 Mitgliedern aus dem Mittelstand. Wir setzen uns bei allen Parteien für deren Interessen ein. Mit dem Dachverband „Conféderation Européenne Des Indépendants (CEDI)“, dessen Sitz in Brüssel ist, können wir sogar auf europäischer Ebene handeln. Die Kleinen Betriebe und Selbständige werden immer erst kurz vor den Wahlen wahrgenommen und anschließend wieder vergessen. Dagegen kämpfen wir!“ erklärt Kuni Both. Schließlich arbeiten 70% aller Arbeitnehmer in Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern.

Welche Interessen liegen dabei im Focus? „Besonders finanzielle Aspekte – jedenfalls im Moment! Die Kleinen bezahlen schließlich gerade die Zeche für die Fehler anderer. Zum einen über  hohe Steuern und zum anderen durch teure Kreditzinsen. Dabei müssten die Banken eigentlich jetzt Sonderkonditionen gewähren und die Wirtschaft mit Krediten wieder zum Laufen bringen. Heutzutage bekommt ein Konzern schneller 5 Millionen als ein mittelständischer Unternehmer 10.000 Euro. Das kann nicht sein!“

Was fordern Sie deswegen? „Unter anderem eine Halbierung des Mehrwertsteuersatzes für arbeitsintensive Dienstleistungen sowie die Steuerliche Gleichbehandlung aller Unternehmensformen.  Jeder kann etwas verändern und gemeinsam sind wir stark. Unsere Mitglieder haben durch den Verband bereits einiges erreicht, zum Beispiel, dass der Pfändungsschutz für die Altersversorgung Selbständiger als Referentenentwurf aus dem Bundesjustizministerium auf den Weg gebracht wurde…“

Kuni Both weiß genau, wovon er redet. Der 63-jährige führt schließlich selbst ein mittelständiges Unternehmen. Dennoch denkt er nicht ans aufhören: Solange der Kaffee noch schmeckt, wird auch der Sinn für Verantwortung bleiben. (Bild & Text: J. Nord)

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