bick Nr. 9: „Helfen durch Laufen“

By Jan-Erik

„Die Sahara knirscht und knackt im schnellen Rhythmus: Bei jedem Schritt brechen, bröckeln kleine Steine unter den Sohlen meiner Laufschuhe. Ich habe mich an das Geräusch gewöhnt, es begleitet mich nun schon seit guten vier Stunden auf meinem Weg durch die Wüste. Wie viele Kilometer liegen noch vor mir? Alle fünfhundert Meter ragt ein weißer Mast aus dem staubigen Boden, aber ich habe längst aufgehört zu zählen. ‚Der Weg ist das Ziel’ heißt es immer, aber wann, bitte, hört er endlich auf?

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Mittlerweile ist die Sonne aus den Wolken hervorgebrochen und die Temperaturen steigen auf etwa 30 Grad Celsius. Ich ziehe für einen Augenblick meine Sonnenbrille ab und wische mit meinem verschwitzten Shirt den Staub von den dunklen Gläsern. Staub! Überall: In den Haaren, auf der Haut, in den Schuhen und bis zum Horizont. Dort ist übrigens gerade ein heller Punkt aufgetaucht und ich kneife meine Augen zusammen: Ist das Smara, das Flüchtlingslager, unser Ziel? Ich schaue auf die Uhr und halte es für möglich. Endlich! Nun muss ich meine Kräfte sammeln und durchhalten, es ist nicht mehr weit. Nur noch vier, fünf Kilometer geradeaus…“

José Rodríguez hält mit seiner Schilderung inne und greift nach einem Glas Wasser. Drei Schlucke und ein Lächeln später meint er: „Da bekomme ich jetzt noch Durst, wenn ich an diesen Augenblick zurück denke.“ Dieser Augenblick, das war Ende Februar. Als José zusammen mit seinem Vater und einem Freund den Sahara Marathon der Uno Flüchtlingshilfe e.V. mitgelaufen ist und sich kurz vor dem Ziel befand. Knapp fünf Stunden dauerte sein Lauf, und „er war eine echte Herausforderung.“ Der Sahara Marathon ist eine Mischung aus kontrolliertem Abenteuer, einmaligem Lauferlebnis und humanitärer Hilfe. Er findet in der kargen Sahara im Südwesten Algeriens statt, zwischen verschiedenen Flüchtlingslagern. „Mit einem Teil des Reisepreises unterstützen wir als Läufer wichtige Projekte vor Ort!“ erklärt José. Zum Beispiel den Bau einer Schule. Etwa fünfhundert Läufer nahmen in diesem Jahr teil. „Wir waren sieben Tage zu Gast bei einer Flüchtlingsfamilie. Die Menschen dort sind sehr arm, aber trotzdem unglaublich gastfreundlich!“ erinnert sich der 28-jährige zurück. Seit über 30 Jahren leben Nahe der Grenze zu Mauretanien mehr als 170.000 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Spanisch Sahara unter extrem harten Bedingungen. Sie wurden einst aus ihrer Heimat vertrieben, Algerien bot ihnen Zuflucht. Bis heute warten sie auf eine Möglichkeit zur Rückkehr, viele haben die Hoffnung schon aufgegeben.

„Mein Vater hat mich zur Teilnahme am Marathon überredet“, sagt José. Er war es auch, der den jungen Spanier vor vielen Jahren mit zum Training nahm und ihn so für das Laufen begeistern konnte: „1998 haben wir unseren ersten gemeinsamen Marathon absolviert: Das war in New York, ein unglaublich intensives Erlebnis.“ Seither ist José viel gelaufen, bei kleineren und größeren Veranstaltungen: „Mir macht das einfach großen Spaß, ich kann unterwegs entspannen! Ankommen ist alles, mir geht’s nicht um die beste Zeit.“ José stammt eigentlich aus Madrid, aber er hat sich in Berlin verliebt, im doppelten Sinne. „Ich habe meine Freundin Sophie vor sieben Jahren kennen gelernt, als ich im Rahmen eines Studienprogrammes in Berlin zu Besuch war.“ Seitdem sind die beiden ein Paar und haben schon viel erlebt, in verschiedenen Ländern Europas. Dennoch wollen sie in Berlin bleiben: „Das ist eine tolle Stadt: Sie bietet von allem das Gegenteil!“ José will Lehrer werden, für Spanisch. Deswegen absolviert er gerade einen Aufbaustudiengang. Nebenher jobbt und joggt er: „Immer an der Spree entlang, drei oder vier mal in der Woche.“ Schließlich steht demnächst sein zwölfter Marathon an und er will „immer in Bewegung bleiben.“

Mehr Informationen gibt’s unter www.saharamarathon.org (Bild: J.R.; Text: J. Nord)

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