Iwona von Polentz pickt mit der Gabel ein Stückchen Tomate aus ihrem Salat, lächelt und meint: „Genau hier, in diesem Restaurant entstand im Sommer 2003 die Idee zur ‚Gesellschaft für Europabildung’ – das war ein Augenblick, den ich niemals vergessen werde.“ Die junge Frau genießt gerade einen kleinen Snack in der warmen Mittagssonne, irgendwo in der Karl-Marx-Allee vor einem Griechen. Es ist Donnerstag und Iwona hat sich für ein paar Minuten aus dem Büro verabschiedet.

„Manchmal kommt mir alles wie ein Traum vor: Ich sitze jeden Tag mit Menschen aus allen möglichen Nationen an einem Tisch und arbeite mit ihnen an den unterschiedlichsten Projekten zum Thema ‚Bildung in Europa’ – das war noch vor wenigen Jahren undenkbar!“ erzählt sie. Iwona stammt aus einer kleinen Stadt in Polen und kam als Jugendliche durch ihre Mutter mit jungen Deutschen in Kontakt. Sie erinnert sich zurück: „Meine Mama hat für das deutsch-polnische Jugendwerk Austauschprogramme und Begegnungen organisiert. Ich konnte ihr dabei helfen und kam so ebenfalls nach Deutschland. Wir trafen uns regelmäßig in Berlin, es gab ein so genanntes ‚Wannseeforum’ mit jungen Deutschen, jungen Polen und einer Menge Aktionen zum gegenseitigen Kennenlernen.“ Iwona machte der Austausch Spaß. „Mir gefiel der Gedanke, Freundschaften zwischen den Ländern wachsen zu lassen und Partnerschaften zu bilden. Ich lernte eine Menge über Friedenspolitik und ihre Werte. Das hat mich stark geprägt“, meint sie. So stark, dass die junge Frau auch beruflich in diesem Bereich aktiv werden wollte. Iwona studierte an der Schlesischen Universität von Katowice Jura. Anschließend kam sie nach Berlin und absolvierte an der FU einen Magisterstudiengang in Europarecht: „Hier engagierte ich mich zusammen mit ein paar anderen Studenten im ‚Romanischen Büro’, einem Verein, mit dem wir interkulturelle Arbeit unterstützen wollten.“ Es gab viele Aktionen in den Bereichen Kunst, Kultur und Sprache, einige Austauschprogramme sowie ein stetes Kommen und Gehen der Beteiligten. „Wir suchten deswegen nach einer Möglichkeit, das Projekt zu stärken und sein Potenzial besser zu nutzen“, sagt Iwona. Also gründete sie zusammen mit Gunther Ring und Siegfried Dietz die „Gesellschaft für Europabildung“, welche von diesem Zeitpunkt an unabhängig von der Universität agieren sollte: „Unsere Motivation ist jedoch gleich geblieben. Wir möchten die europäische Integration sowie den Austausch der Länder, die Völkerverständigung fördern.“ Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt seitdem im Aufbau und in der Pflege dauerhafter Bildungs-Partnerschaften auf lokaler sowie europäischer Ebene. Dabei spielen Jugendliche und junge Leute eine wichtige, aber keine ausschließliche Rolle: „Jeder Mensch soll Europa erfahren können – nicht nur Studenten oder Leute mit gewissem Bildungsstand. Zu viele haben noch keinen persönlichen Bezug zu Europa. Da wollen wir Schwellen abbauen!“ Dies geschieht über Austausch- und Förderprogramme, Treffen, Workshops und Erlebnisreisen.
Die Gesellschaft für Europabildung finanziert sich aus Fördermitteln der EU sowie Mitgliedsbeiträgen – was nicht immer ausreicht, um die zahlreichen Pläne des Teams zu realisieren. Mittlerweile sind zehn Leute für den gemeinnützigen Verein tätig. „Wir versuchen gemeinsam, unsere Träume in Projekten zu realisieren!“ meint Iwona. Die GEB arbeitet mit Partnern in 18 europäischen Ländern zusammen. Für die 35-Jährige bedeutet das zahlreiche Reisen und eine Menge Arbeit: „Ich liebe meinen Job trotzdem. Er ist zwar anstrengend, aber auch sehr spannend.“ Dann gibt sie noch eine Einladung mit auf den Weg: „Alle, die Lust haben, berufliche Erfahrungen im Ausland zu machen, können sich bei uns um ein Stipendium bewerben.“ Mehr Infos unter: www.europabildung.org (Bild & Text: J. Nord)
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