bick Nr. 9: „Ready for the Show“

By Jan-Erik

In den großen Lautsprechern knackt, rasselt und pfeift es. Buntes Licht flackert durch den Raum, hier und da brüllt jemand Anweisungen. Es ist Freitag, kurz nach 17 Uhr und so langsam wird die Zeit knapp: Nur noch wenige Stunden bis der Club öffnet. Dann werden hunderte Fans hereinströmen, um Irie Révoltés zu erleben. Im Moment sind die Arbeiten zum Aufbau der Bühne in vollem Gange. Simone Schrempf steht mitten drin und hat alles im Blick. Sie ist mit der Agentur Köterhai Booking für den Gig heute Abend verantwortlich.

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„Ich bin froh, wenn alles glatt geht. Eine gute Show ist immer wie eine Belohnung für die ganze Mühe vorher!“ sagt die 36-jährige. Köterhai Booking hat mehr als 40 Bands unter Vertrag. „Die Anfänge lagen im Punkrock – das war vor etwa 10 Jahren. Aber seitdem ist viel passiert und mittlerweile haben wir von Ska bis Elektro alles im Programm!“ meint Simone. Wir? Das sind Heiko und Simone. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren. Was sie verbindet, ist Neugier, und zwar auf Menschen und Musik: „Unsere Leidenschaft ist viel größer, wenn wir eine Band so richtig gut finden und uns mit ihr identifizieren. Dann sind wir einfach produktiver!“ Dabei suchen Heiko und Simone eine Balance zwischen neuen und eingespielten Gruppen, weil „vor allem die jungen Künstler sehr viel Energie kosten.“

Köterhai hat sich auf Tourplanung spezialisiert, man versteht sich als Verbindung zwischen Veranstaltern und Bands. „Wir organisieren alles, was mit einer Tour zu tun hat. Das beginnt bei der Zusammenstellung von den verschiedenen Stationen, also der Auswahl von Städten und Bühnen, es beinhaltet aber auch das Ausarbeiten von Verträgen, das Buchen von Equipment und Hotels sowie die Gestaltung und Platzierung von Werbung!” erklärt Simone. Früher war die 36-jährige noch regelmäßig mit den Bands unterwegs, verbrachte Tage und Wochen im Tourbus. Mittlerweile reicht dazu die Zeit nicht mehr: „Leider! Denn ich habe das sehr genossen. Du bekommst dabei so viele Einblicke in die kreativen Prozesse einer Gruppe: Von der ersten Melodie bis zum fertigen Song – das ist wahnsinnig spannend!“ Simone kam über Umwege zur Musik und nach Berlin. Die 36-jährige stammt eigentlich aus Frankfurt am Main, sie studierte Literatur- und Medienwissenschaften in Marburg. Nach dem Studium ging sie zunächst für drei Monate als Menschenrechtsbeobachterin nach Mexiko, zig dann nach Köln. „Meine erste Leidenschaft war der Film: Deswegen habe ich mich auch nach meinem Abschluss zwei Jahre lang von Praktikum zu Praktikum geschleppt. Aber es ging einfach nicht richtig voran“, erinnert sich Simone. Das war 2004. Da stellte sich die Frage: Was nun? Heiko, ein langjähriger Freund, hatte die passende Antwort parat: „Komm nach Berlin und steig’ in meiner Konzertagentur ein.“

Simone sagte zu und zog in die Hauptstadt: „Der Anfang war ziemlich hart: Wir wollten ohne Namen in eine Szene hinein, wo bereits alle ihren Platz hatten.“ Kontakte zu Bands in Barcelona öffneten schließlich die ersten Türen. Auch heute noch stammen viele Gruppen von Köterhai aus dem spanischen oder lateinamerikanischen Bereich. „Wir bekommen mittlerweile jede Menge Bewerbungen. Obwohl wir eigentlich keine neuen Bands mehr aufnehmen können, versuchen wir jedes Demo anzuhören und ein Feedback zu geben. Das sind wir den Künstlern schuldig!“ meint Simone. Die junge Frau liebt ihren Job, weil sie dabei „vollkommen frei und zusammen mit Freunden arbeiten“ kann. Trotzdem sind die Träume vom eigenen Filmprojekt immer noch da: „Ideen dazu habe ich genug, aber die laufen ja nicht weg!“ schmunzelt sie. Wer weiß, vielleicht wird aus Köterhai Booking bald Köterhai Entertainment. Die passende Musik zum Film hat Simone ja schon. (Bild & Text: J. Nord)

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