bick Nr. 9: „Stranda für die Presse“ – Sperrmüllentsorgung der BSR

By Jan-Erik

Es ist Mittwoch, etwa 13 Uhr – ein Altbau in Lichtenrade. 4 Stockwerke, 72 Treppenstufen. Eddie Lewandowski steht auf Nummer 27 und hat alle Hände voll zu tun: er muss die Hälfte einer Schrankwand sicher durch das schmale Treppenhaus nach unten bringen, wo auf Kullen, Stranda oder wie auch immer  der Schrank heißen mag, das Pressfahrzeug wartet. Eddie hat die Sache im Griff und meistert auch die restlichen Stufen bis Parterre mit Links. Ein paar Schritte durch den strömenden Regen, zwei Handgriffe und 360 bar Druck später ist der Schrank Geschichte. Die mächtige Presse des großen Entsorgungsfahrzeugs hat ihn in seine Einzelteile zerlegt. Eddie grinst und meint: „Aufbauen ist da schon schwerer.“

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Der 49-jährige arbeitet bei der Sperrmüllentsorgung der Berliner Stadtreinigung. Zusammen mit seinen Kollegen Andreas Girke und Patrik Ganz bildet Eddie eines von 15 Entsorgungsteams, die täglich in ganz Berlin unterwegs sind und ‘nen ganzen Haufen Zeug bewegen. „Alle Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände, die wegen ihrer Größe nicht in eine 120-Liter-Mülltonne passen, gelten als Sperrmüll!“ erklärt der Facharbeiter. Dazu gehören vor allem zerlegte Groß- und Kleinmöbel, Teppiche, Hölzer aus dem Wohnbereich, Schrott, Fahrräder, Kinderwagen und jede Menge Kleinkram.

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Im vergangenen Jahr haben die Leute von der BSR insgesamt 12.000 Tonnen davon geschleppt, verladen und der fachgerechten Verwertung zugeführt: „Sondermüll wie zum Beispiel Autobatterien, mit Lack behandeltes Holz oder auch Bauabfälle wie Wasch- oder Toilettenbecken fallen nicht unter den Sperrmüllservice. Auch Elektroschrott wird  nicht geladen. Hier ist ein separater Abholservice gefragt. Die Stadtreinigung hält zwei Entsorgungsangebote für ihre Sperrmüllkunden bereit: Entweder man stellt seine Gegenstände am vereinbarten Abfuhrtag zu ebener Erde bereit, was kostengünstiger ist… oder die Spezialisten der BSR holen die angemeldeten Teile aus Wohnung, Keller oder anderem Gelass. Das ist natürlich dann auch teurer. „Da sammeln sich am Tag schon mal ein paar tausend Stufen pro Person an!“ meint Eddie und klopft sich auf die Oberschenkel: „Aber das hält einen fit!“

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Eddie macht sich wieder auf den Weg nach oben, in den vierten Stock. Dort warten noch etwa vier Kubikmeter Hausrat. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn heute stehen noch zwölf weitere Stellen auf der Liste: Im ganzen Südwesten der Stadt. „Wir bekommen von der Tourenstelle jeden Tag einen Plan mit den Adressen unserer Kunden. Hiernach stellen wir unsere Route zusammen. Schließlich wollen wir ja möglichst wirtschaftlich arbeiten.“ erklärt Eddie. „Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Stadt und kann Staus umfahren.“

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Der Berliner ist schon seit 1985 Kraftfahrer und hat in den ersten Jahren von der Kehrmaschine bis zum Spülfahrzeug fast alle Reinigungsfahrzeuge der BSR  bewegt. 1988 wechselte Eddie  zur Sperrmüllentsorgung: „Hier bin ich irgendwie hängen geblieben. Man lernt wahnsinnig viele Menschen kennen und bekommt Einblicke in die unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung. Natürlich verlangt der Job uns viel ab und auch als Profi gibt’s Tage, wo man abends alle Muskeln spürt -  aber genau deswegen wissen die Kunden unseren Job auch zu schätzen und sparen nicht mit einem „Dankeschön“ – was heutzutage Seltenheitswert hat!“ Eddie und seine Jungs wissen nie, was sie am Einsatzort erwarten wird: „Vom Neunziger im Nachthemd bis zu 17 Katzen, denen das Schlafzimmer gehört, ist alles drin.“ Es gibt jeden Tag zwei Schichten, die wöchentlich wechseln: Die Frühschicht von 6 bis 13 Uhr und der Spätdienst von 13 bis 21 Uhr. Wobei von 7 bis 20 Uhr geladen wird und man in der restlichen Zeit die Fahrzeuge vor- beziehungsweise nachbereitet: „Wir fahren den Lastwagen in jeder Schicht mindestens einmal zur Verwertung. Dort wird dann der Inhalt unseres Fahrzeugs nach den entsprechenden Fraktionen getrennt und verwertet.

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Im vergangenen Jahr hat die BSR knapp 39.000 Ladestellen angefahren und dabei 281.000 Kilometer zurückgelegt. Alle Facharbeiter sind in feste Teams aufgeteilt: „Wenn man soviel Zeit zusammen verbringt und bei jedem Einsatz aufeinander angewiesen ist, muss alles ohne viele Worte klappen“. Die Jungs sind ein eingespieltes Team: Eddie und Andreas (42) seit fünf Jahren; aber auch Patrick (24), der nach seiner Ausbildung seit 2008  seinen Mann steht. Nach nur zwanzig Minuten haben sie etwa vier Kubikmeter Sperrmüll aus der Wohnung im Vierten nach unten in die Presse gebracht. Nun wird noch das entsprechende Formular ausgefüllt und das Entsorgungsentgelt beim Kunden kassiert.

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Für die Sperrmüllentsorgung hält die BSR zwei Entsorgungstarife bereit: Den Standard- und den Komforttarif. Beide beinhalten den Abtransport und die Entsorgung von bis zu fünf Kubikmeter Sperrmüll. Die Variante „Standard“ kostet 25 Euro – bei bis zu sechs Stufen Höhenunterschied. „Komfort“ kostet 45 Euro – dafür kommen die Männer in orange dann auch bis „unters Dach“. Muss Mobiliar demontiert werden, kommt eine entsprechende Demontagepauschale dazu. „Wir bieten aber auch komplette Wohnungsauflösungen an“ informiert Eddie und checkt gleichzeitig seine Liste. Mit einem verschmitzten Lächeln wischt er sich einige Schweißtropfen von der Stirn: „Auf gehts, Jungs, die nächste Station ist Parterre. Entspannt euch.“ Es ist jetzt halb zwei. Noch viele Stufen bis 21 Uhr. Mehr Infos zur Sperrmüllentsorgung der BSR gibt’s im Internet unter www.bsr-online.de sowie telefonisch unter 030-7592-4900. (Bild & Text: J. Nord)

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