Filmtipp: „Kommissar Bellamy“

By Jan-Erik

Paul Bellamy (Gérard Depardieu) kann einfach nicht in Ruhe seinen wohlverdienten Urlaub genießen. Dabei ist der Kommissar sogar extra aufs Land gezogen, in sein Elternhaus nahe der südfranzösischen Stadt Nîmes. Doch dort gefällt es seiner Frau Françoise (Marie Bunel) überhaupt nicht: Sie würde viel lieber eine Kreuzfahrt machen und ist dementsprechend schlecht gelaunt. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, taucht plötzlich ein seltsamer Fremder in Bellamys Garten auf und behauptet, er habe im Zuge eines Versicherungsbetrugs jemanden umgebracht, einen Obdachlosen, um danach mit dem Geld ein neues Leben zu beginnen…

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Die Schuldgefühle und Neurosen des Unbekannten sowie der ganze merkwürdig verzwickte Fall faszinieren den Kommissar dermaßen stark, dass er damit beginnt, Ermittlungen anzustellen. Als sich schließlich noch Pauls Halbbruder Jacques (Clovis Cornillac), ein schwermütiger, unbeherrschter Alkoholiker und Tunichtgut, bei den Bellamys einnistet, ist nicht mehr im Entferntesten an Erholung unter südlicher Sonne zu denken…

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„Kommissar Bellamy“ ist der 58. Film von Claude Chabrol. Der französische Regisseur ist eine Legende: Er feiert diesen Sommer sein 50-jähriges Kinojubiläum. Einen seiner größten Erfolge verbuchte der Mann mit den großen Brillen, der Vorliebe für Pfeifen und dem Röntgenblick für heuchlerische Moralvorstellungen im Jahr 1988 mit „Eine Frauensache“ und seiner Lieblingsschauspielerin Isabelle Huppert. In den Neunzigern machte Claude Chabrol mit der Flaubert-Adaption „Madame Bovary“, dem Eifersuchtsdrama „Die Hölle“, der bösartigen Ruth-Rendell-Verfilmung „Biester“ und der Komödie „Das Leben ist ein Spiel“ von sich reden.

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Der Bonvivant gilt als ausgesprochener Frauenregisseur und dreht im Lauf seiner Karriere immer wieder mit den größten Schauspielerinnen Frankreichs, darunter Emmanuelle Béart, Sandrine Bonnaire und Nathalie Baye. Zur Feier seines Jubiläums gönnte sich Chabrol dann einen wahren Giganten des Schauspiels, Gérard Depardieu. „Ich wollte endlich mal einen Film mit ihm drehen!“ sagt der Regisseur im Interview: „Es sollte eine Art Porträt von Gérard werden, zumindest die Vision von einer der zahlreichen Facetten seiner Persönlichkeit.” Gleichzeitig schlug Chabrol seiner Co-Autorin Odile Barski vor, ein paar Eigenschaften von ihm in die Titelrolle einzubauen – ohne dass diese allerdings gleich restlos autobiographisch ausgefallen ist. Das Ergebnis: eine raffinierte Mischung aus Mordgeschichte und Familiendrama! Der Film handelt vom diskreten Charme der Bourgeoisie, von menschlichen Abgründen und bröckelnden Fassaden, wie sie nur Altmeister Chabrol so messerscharf und voll schwarzem Humor inszenieren kann. In der Handlung, die sich an den stillen, hintergründigen Kriminalromanen von Georges Simenon orientiert und zugleich als Hommage an den legendären „Maigret“-Autor gedacht ist, geht es um Versicherungsbetrug und tödliche Autounfälle, um Bruderzwist und vertauschte Identitäten, um das Sichtbare und das Verborgene. Im Zentrum des undurchsichtigen Plots steht mit Gérard Depardieu alias Paul Bellamy ein ebenso bullig-schlauer wie sympathischer Polizei-Kommissar. Zurückhaltend und empfindsam fügt sich der wohl erfolgreichste französische Schauspieler aller Zeiten mit seiner wunderbaren Darstellung nahtlos in ein starkes Ensemble ein. Sehenswert! “Kommissar Bellamy” läuft ab heute in den Kinos (Bilder: Concorde, Text: J. Nord / Concorde)

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