Hildegard von Bingen ist eine faszinierende Persönlichkeit des Mittelalters. Sie war Äbtissin, Seherin, Heilkundige und Komponistin, eine außergewöhnlich engagierte, dem Leben zugewandte Frau, die den Mut besaß, aus den strengen kirchlichen Regeln ihrer Zeit auszubrechen, um ein eigenes Frauenkloster zu gründen. Ihre Visionen wurden anerkannt und geschätzt. Die Regisseurin Margarethe von Trotta und der Concorde Filmverleih präsentieren nun den Film „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ – eine aufwändige, deutsch-französische Produktion.

Hildegard von Bermersheim wird mit acht Jahren von ihren Eltern in das Benediktinerkloster Disibodenberg gebracht. Der strenge Abt Kuno (Alexander Held) gibt sie in die Obhut der nur wenige Jahre älteren Jutta von Sponheim, ihrer künftigen Mentorin. Jutta fördert nicht nur ihre Musikbegabung, sondern gibt ihr auch das eigene Wissen weiter. 23 Jahre lebt Hildegard (Barbara Sukowa) als Nonne auf dem Disibodenberg. Als Jutta von Sponheim stirbt, entdeckt sie gemeinsam mit einer Novizin Spuren extremer Selbstkasteiung am ausgemergelten Körper der Freundin. Ein Erlebnis, das sie schockiert und nachhaltig prägt. Hildegard schwört sich, solche Praktiken nicht zu dulden oder gar zu verlangen. Sie lehnt es ab, durch Leiden die Nähe von Gott zu suchen. Ihr Glaube ist mit der Liebe zum Menschen verbunden. Trotz ihrer Beteuerungen, sie sei unwürdig für so eine hohe Aufgabe, wählen die Mitschwestern sie zur neuen Magistra, zur Leiterin der Frauenabteilung des Klosters. In der Folgezeit liest sie viel, macht sich kundig über die Möglichkeiten heilender Pflanzen und Kräuter, außerdem unterrichtet Hildegard, gründet ein neues Kloster und schreibt Bücher. Mit ihrem Erfolg und ihrer Strahlkraft löst sie heftigen Widerstand in der Kirche aus und gerät selbst in eine tiefe, beinahe tödliche Krise…

„Hildegard von Bingen hat mit ihren Visionen unzählige Grenzen gesprengt und sich selbst verwirklicht!“ sagt Barbara Sukowa. Eine besondere Herausforderung bestand für die Darstellerin der Hauptfigur darin, eine Frau zu verkörpern, die „fest im Leben des 12. Jahrhunderts stand“. Damals glaubten die Menschen an Himmel und Hölle, die Verdammnis und die Auferstehung. „Im Film werden zwei Dinge angesprochen, die auch heute noch sehr wichtig sind: Zum einen das ganzheitliche Denken in der Medizin, zum anderen die Sicht der Umwelt. Hildegard von Bingen sagte mal: ‚Erst muss die Seele heil werden, dann kann der Körper folgen’. Außerdem gab sie eines Tages den Hinweis, dass sich die Elemente gegen uns wenden könnten. Damals sprach man noch von Elementen – heute ist es die Natur, welche uns vernichten kann, wenn wir sie nicht schützen. Diese beiden Punkte finde ich überaus beeindruckend! Und dann natürlich ihr Werk als Komponistin, sie hat über 90 Gesänge geschrieben.“ Die Regisseurin begegnete der historische Figur zum ersten Mal während der Frauenbewegung in den 1970er Jahren. Es folgte eine lange Zeit der Planung, bis es letztendlich zur Umsetzung des Filmprojektes kam.

Neben Barbara Sukowa konnten noch Größen wie Heino Ferch und Hannah Herzsprung verpflichtet werden. Beim Look des Projektes legte die Regisseurin Wert auf eine große Authentizität, welche die damalige Welt mit ihrer Dunkelheit widerspiegelt, und auf eine dichte Fotografie. So entstand ein sehr intensiver, emotionaler Film über eine der herausragendsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Nicht verpassen! „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen“ läuft ab dem 24. September in den Kinos. Mehr Infos unter www.concorde-film.de (Text: J. Nord / Concorde; Bilder: Concorde)